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Was mir von 2014 bleibt

Ein Rückblick auf die Arbeit in der Robert-Enke-Stiftung

Beim Wort „Jahresbilanz“ denken die meisten an Zahlen. Und vielleicht noch daran, wie einschläfernd diese Zahlen sein können. Als ich mich heute hinsetzte, um für mich das Jahr 2014 in der Robert-Enke-Stiftung noch einmal Revue passieren zu lassen, fielen mir kaum Zahlen, sondern stattdessen jede Menge Bilder ein.

Auf vielen Bildern in meinem Kopf sehe ich noch immer Andreas Biermann. Ich hatte ihn 2010 kennen gelernt. Andreas, der damals beim FC St. Pauli als Profifußballer arbeitete, hatte öffentlich erzählt, wie ihm erst der Tod meines Mannes Robert vor Augen geführt habe, dass auch er an Depressionen leide. Ich lud Andreas daraufhin zu einem Treffen mit meinen und Roberts Freunden ein. So sehe ich ihn noch heute vor mir: zurückhaltend mischte er sich unter meine Freunde und erschien schon bald sichtlich geborgen unter Leuten, die wussten, was Depressionen sind, die sich selbstverständlich mit ihm über vieles, auch seine Krankheit unterhielten.

Andreas Biermann hatte große Hoffnungen, durch seinen Schritt in die Öffentlichkeit nicht nur sich, sondern auch anderen Menschen mit Depressionen helfen zu können. Sein Selbsttot im Juli 2014 war auch deshalb so schmerzhaft, weil er uns wieder ins Gedächtnis rief, dass Depressionen – genau wie der Krebs – manchmal trotz bester ärztlicher und sozialer Hilfe eine tödliche Krankheit bleiben.

Gerade deshalb sollten wir es besonders schätzen, dass es von Constantin Braun 2014 wieder Bilder im Trikot der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft gab. Er bewies, dass viele Menschen, die an Depressionen leiden, nach einer Therapie erneut komplett leistungsfähig sind.

Die gegensätzlichen Schicksale von Andreas Biermann und Constantin Braun zeigen mir aber auch, wie notwendig noch immer das scheinbar Banalste ist: über mentale Krankheiten zu reden. Krebs wurde in Deutschland auch erst vor 40, 50 Jahren langsam nicht mehr als Stigma betrachtet, sondern als eine Krankheit, die jeden treffen kann. So möchte ich mit der Robert-Enke-Stiftung weiter mithelfen, ein Klima zu schaffen, in denen wir ernsthaft und ohne Berührungsängste mit Depressionen umgehen.

Deshalb waren neben all den Forschungsprojekten, die wir unterstützten, 2014 meiner Meinung nach auch die Veranstaltungen der Robert-Enke-Stiftung zur Aufklärung am wichtigsten. Zu Roberts fünftem Todestag am 10. November organisierten wir im Landesmuseum Hannover eine Ausstellung, die ganz bewusst nicht nur sein Leben in Erinnerung rufen sollte. In Selbsterfahrungsräumen konnten die Besucher versuchen, sich in die Lage von mental Erkrankten zu versetzen. In Podiumsdiskussionen berichteten die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen oder Meistertrainer Jupp Heynckes anschaulich, was in ihren Berufsfeldern an Prophylaxe und Behandlung getan wird und getan werden müsste. In diesem Sinne haben wir auch einen einmaligen Praxisordner für Trainer und Betreuer im Leistungssport erstellt, um sie auf sehr verständliche Art mit mentalen Krankheiten vertraut zu machen. Und wir schickten die Stiftung „on Tour“: Vor vielen Bundesligastadien warteten wir an Spieltagen mit einem Informationsstand auf die Zuschauer.

Von dort schilderten mir Stiftungsmitarbeiter ein typisches Bild aus dem Jahr 2014: Etliche Fans gingen mit einem unsicheren Blick aus den Augenwinkeln am Stiftungsstand vorbei – um dann kurz darauf umzudrehen und sich über unsere Arbeit und über mentale Krankheiten zu informieren.

Das macht Hoffnung. Ihnen allen ein gesundes neues Jahr.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frau Enke,

    Ich bewundere Sie sehr, weil Sie sich so sehr für Menschen mit Depression einsetzen. Dass Sie nach dem Tod ihres Mannes einen Weg gefunden haben, der so viel Hoffnung gibt. Depressionen sind auch mein Thema. Ich leide am chronischen Schmerzsyndrom, manchmal ist es ganz schlimm und dann kommen auch die Depressionen wieder. Ich bin gerade wieder in so einer Phase. Ich denke, das verstehen nur Menschen, die das selbst erleben. Es gibt noch viel zu tun. In den letzten Wochen habe ich erfahren, dass sich die Schwester einer lieben Freundin auf die gleiche Weise das Leben genommen hat wie Dein Mann. Meine Freundin hat gesagt, sie wartete auf einen Therapieplatz. Das muss sich ändern. Niemand sollte auf einen Therapieplatz warten müssen. Ich selbst habe eine gute Psychotherapeutin, aber die gesetzliche Krankenkasse bezahlt nur eine bestimmte Anzahl von Therapiestunden. Ich brauche es aber weiter. Ich bin im Moment auch in der Lage es privat zu bezahlen bis die Kasse es wieder genehmigt. Aber man sollte Menschen eine durchgängige psychotherapeutische Behandlung gewähren, wenn sie gebraucht wird und ich wünsche mir dass man offen darüber sprechen kann.

    Bitte kämpfen Sie weiter, alles Liebe für Sie, Anne

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  2. Liebe Frau Enke,

    ich möchte Ihnen ebenfalls für Ihre unermüdliche Arbeit für an Depression erkrankte Menschen von ganzem Herzen danken. Insbesondere die Tatsache, dass jetzt auch Profisportler eine sehr gute Anlaufstelle haben, falls sie Burnout oder Depression im Verdacht haben, ist doch eine Errungenschaft, die früher nicht selbstverständlich war.
    Danke dafür und machen Sie weiter so!

    Ich selbst bin vor 11 Jahren an Burnout erkrankt und hatte zum Glück eine gute Psychotherapeutin, die mir aus diesem Loch heraushalf. Als mein Vater vor 3 Jahren an einer Depression erkrankte, machte ich mir wiederum Gedanken über dieses Thema. Diese Erkrankung schien bei uns in der Familie zu liegen – und ich stöberte im Internet über mögliche Ursachen…

    Ich stieß auf die Thematik der Hochsensibilität.

    Es gibt wohl sehr viele hochsensible Sportler, die – ohne von ihrer Hochsensibilität zu wissen – an Burnout bzw. Depression erkranken. Ich habe dazu auch folgenden Beitrag in meinem Blog geschrieben, vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen:

    https://hochsensibel1753.wordpress.com/2015/01/02/aufwachen-hochsensibilitat-auch-im-leistungssport/

    Viele Grüße,
    Julia

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  3. Pingback: Aufwachen! Hochsensibilität auch im Leistungssport… | Hochsensibel und Multipassioniert

  4. Liebe Frau Enke,
    es tut gut zu lesen, das bei Ihnen Andreas Biermann nicht vergessen ist. In sonstigen Jahresrückblicken fand er nicht statt.
    Wenn man es genau nimmt, so hat eigentlich nicht der Tod von Robert ihm die Augen geöffnet, sondern das was SIE auf der Pressekonferenz sagten ( so habe ich es gelesen und verstanden).
    Es sind SIE und Ihr Umgang mit dem Tod Ihres Mann, der vielen Hoffnung gibt. Auch Andreas gab es, unter anderem noch 5 Jahre Hoffnung weiter zu kämpfen, behaupte ich einfach mal so..
    Sie machen eine wichtige Arbeit.
    Danke!
    Als Deutschland die WM gewann, dachte ich viel an Robert und an Andreas Biermann, er sich wohl nicht mehr daran erfreuen konnte.

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  5. Deepressionen sind leider auch mein Thema.Einmal Teresa persöhnlich treffen,würde mir so vieles geben.Machen Sie bitte weiter,um aufzuklären.Ihnen ein gutes neues Jahr,Frau Enke.

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  6. Liebe Frau Enke,

    ich habe mit großem Interesse ihren Beitrag „Rückblick auf die Arbeit in der Robert-Enke-Stiftung“ gelesen. Ich schätze ihre Arbeit dort sehr. Gerade die Aufklärung über die Krankheit
    „Depression“ ist sehr wichtig. Ich persöhnlich bin in der betrieblichen Suchtarbeit tätig.
    Dabei sehe ich auch Zusammenhänge zwischen Depression und Sucht. Ein Zusammenhang
    von beiden ist zum Beispiel die Hilflosigkeit von Außenstehenden. Darum ist Aufklärung in der
    Öffentlichkeit sehr wichtig. Machen sie weiter so.

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  7. Liebe Teresa Enke,

    wieder einmal haben Sie es geschafft, mich mit einem ihrer Texte abzuholen. Danke für diesen und viele weitere Beiträge und vor allem für die Arbeit, die Sie leisten. Ich finde Sie großartig!
    Ihre Projekte werde ich auch 2015 verfolgen und besuchen, da Sie das Thema Depressionen so anfassen, wie es in meinen Augen besser nicht sein kann. Die Thematik liegt mir aus persönlichen Gründen sehr am Herzen und da ich Fotografin bin, denke ich schon lange darüber nach, mich in diesem thematischen Bereich auszutoben und einzubringen. Sollten Sie mal Bedarf oder Ideen haben, bin ich erreichbar (Homepage). Ich selbst habe dazu schon einige Zeit eine Sache im Hinterkopf….

    Einen guten Start ins Jahr 2015 wünscht,
    Ines

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  8. Liebe Teresa auf diesem wege wünsche ich dir und Leila ein gut rutsch . Mach weiter so mit deiner Arbeit es hilft mir ungemein nur über die fortschritte zu Lesen der Robert- Enke Stieftung zu lesen ich selber gehe durch eine Harte Zeit und schöpfe Kraft daraus

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