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Treffen mit Prinz William und Herzogin Kate

Rein theoretisch sollte ich an jenem Nachmittag in Berlin nur die Robert-Enke-Stiftung vorstellen, so wie ich schon oft über unsere Stiftungsarbeit gesprochen habe. Theoretisch also kein Grund, nervös zu sein. Theoretisch … Selbstverständlich war ich nervös wie selten, denn meine Gesprächspartner sollten diesmal die Herzogin Kate und Prinz William sein, der Duke und die Duchess of Cambridge.

Der Buckingham Palace hatte mich eingeladen, dem britischen Prinzenpaar während dessen Deutschland-Besuchs zu schildern, wie die Robert-Enke-Stiftung für eine bessere Behandlung seelischer Krankheiten kämpft. Anderthalb Stunden vor dem Treffen gab es extra eine Generalprobe, damit alles reibungslos abliefe: Zwei Mitarbeiter der Britischen Botschaft in Berlin imitierten William und Kate, stellten mir Fragen und ich antwortete auf Englisch, alles klappte ganz passabel. Und dann stand anderthalb Stunden später plötzlich die Herzogin vor mir, Martin Amedick und Ronald Reng, und wir erstarrten: Äh, sollten wir jetzt das Gespräch beginnen oder mussten wir auf Prinz William warten, der noch zehn Meter von uns entfernt in einer Traube begeisterter Kinder feststeckte? Vor Verwirrung bekamen wir keines unserer so toll einstudierten Wörter heraus.

Es war dann die Herzogin selbst, die ungezwungen und einfühlsam mit ihren Fragen unsere Verkrampfung löste. Wenig später stand dann Prinz William doch noch neben ihr, und es entwickelte sich ein erstaunlich tiefgründiges Gespräch über Depressionen und ihre Behandlung. An ihren Fragen und Einlassungen war sofort zu spüren, dass die Herzogin Kate und Prinz William nicht einfach nur ihren Namen für den Kampf gegen seelische Krankheiten hergeben, sondern dass sie sich dem Thema tatsächlich mit Einsatz und ihrer Leidenschaft widmen.

Gemeinsam haben sie in Großbritannien dieses Jahr die Kampagne Heads together gegründet, die sich für einen offeneren Umgang mit seelischen Krankheiten starkmacht. Denn darin waren das Prinzenpaar und wir uns einig: Ein natürlicher Umgang der Gesellschaft mit mentalen Krankheiten und ein größeres Verständnis in der Bevölkerung, was diese eigentlich sind, sind nicht nur der erste, sondern derzeit auch noch der wichtigste Schritt, damit Betroffenen besser geholfen werden kann. So brachte Prinz William anlässlich seines Besuchs auch eine britische Initiative nach Deutschland: die Kampagne Mental Health Hero. Eine Jury, der ich neben Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen, Bestsellerautor Eckardt von Hirschhausen und dem britischen Botschafter Sir Sebastian Wood angehören durfte, wählte einen Mental Health Hero, eine Person, die sich auf besondere Weise für psychisch erkrankte Menschen einsetzt. Unsere Wahl fiel auf Anna Gleiniger aus Berlin. Sie hat eine Onlineplattform namens www.u25-berlin.de für junge Suizid-Gefährdete geschaffen. Junge Menschen lassen sich leichter von Gleichaltrigen erreichen, diese Überlegung liegt der Plattform zugrunde, und so stehen jungen Suizid-Gefährdeten auf www.u25-berlin.de ausschließlich gleichaltrige – hauptamtliche und geschulte – Ansprechpartner zur Verfügung.

Das Treffen mit dem britischen Prinzenpaar war mehr als eine Ehre für die Robert-Enke-Stiftung: Prinz William ermutigte uns, mit unseren Stiftungsprojekten auch den Weg nach Großbritannien zu suchen, und bot an, sich persönlich dafür einzusetzen. Er machte uns bewusst, dass einige unserer Initiativen weltweit wohl einmalig sind, etwa die EnkeApp oder die Aufklärungsvorträge, die Martin Amedick und Ronald Reng in Fußball-Nachwuchsleistungszentren halten. Als ehemaliger hochklassiger Fußballer, der selbst von einer Depression betroffen war, beziehungsweise als Freund meines verstorbenen Mannes Robert, können Martin und Ronald auf authentische, konkrete Weise über mentale Krankheiten berichten.

Einige Tage sind seit unserem königlichen Treffen vergangen, daran erkennt man auch: Ich musste das alles erst einmal sacken lassen. Natürlich bin ich seitdem von Freunden und Bekannten oft neugierig gefragt worden: Und, wie sind die beiden denn?

Oft berichten Leute von ihrem Zusammentreffen mit Prominenten, „die sind auch nicht anders als wir, total normal.“ Ich würde es in diesem Fall umgekehrt formulieren: Es wäre wunderbar, wenn wir alle wie der Duke und die Duchess of Cambridge wären: wirklich interessiert am Thema psychische Krankheiten.

 

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es waere so schön gewesen, wenn die App
    „Everbliss“ fuer mental health und support
    mehr Erfolg gehabt haette.

    Es waere so wichtig, auch hier eine
    solche Einrichtung wie in den USA
    zu haben.

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  2. Ich arbeite selbst in einem medizinischen Beruf und folge den Tätigkeiten ihrer Stiftung von Anfang an . Ich freue mich sehr, dass sie die Möglichkeit hatten, mit Prinz William und Herzogin Kate zu sprechen und hoffe , dass es ihre Arbeit noch breiter in die Öffentlichkeit trägt. Machen sie weiter so, sie tun unendlich viel Gutes.

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  3. Liebe Teresa und Team, ich beobachte nun schon seit Jahren wie toll sich die Robert Enke Stiftung zum Thema psychischer Krankheiten einsetzt. Da ich selbst in den Vereinigten Staaten lebe und mich auf prenatale und postnatale Fitness spezialisiert habe liegt mir in dem Zusammenhang das Thema am Herzen. Ich kann hier nur in sehr kleinen Rahmen Müttern helfen, in einem Land in dem die Zuwendung zu physischen Krankheiten schon fehlt. Von psychischen gar nicht zu reden. Dieses Thema ist wichtig denn keiner sollte sich in diesem Rahmen alleine fühlen. Liebe Grüße und Gratulation für die Anerkennung der tollen Arbeit! Roma

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  4. Pingback: Teresas Blog: Treffen mit Prinz William und Herzogin Kate - Die Robert-Enke-Stiftung

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