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Lasst uns über Depressionen reden wie Guido Westerwelle über Krebs

teresa_enke_6Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bleibt er lebendig; in der Erinnerung und den Gesprächen seiner Angehörigen und Freunde. Und deshalb habe ich auf die Frage „Was bleibt?“, die sich heute, am sechsten Todestag meines Mannes Robert, wieder viele stellen, zunächst einmal eine private Antwort: Sehr viele Erinnerungen an den Menschen, weniger an den Fußball-Nationaltorwart bleiben (instagram.com/enkestiftung).

Robert zeichnete im Umgang mit anderen eine grundsätzliche Sanftheit und Großzügigkeit aus – auch wenn er wie jeder von uns natürlich auch mal launisch, schnippisch und wortkarg sein konnte. Es geht nicht darum, ihn in der Erinnerung zu überhöhen, sondern die Werte, die er verkörpern wollte, festzuhalten. Gerade nach der Geburt unserer ersten Tochter Lara, die an einem schweren Herzfehler litt, begriff er es als seine Aufgabe, anderen beizustehen. Einmal sah er, wie ein junger Mitspieler in seiner Bundesliga-Mannschaft Hannover 96 in der Halbzeitpause nach einigen weniger guten Szenen im Duschraum der Umkleidekabine verschwand und dort, Kopf nach unten, schwer atmend, verzweifelt über einem Waschbecken hing. Robert ging hinterher, um ihm den Arm um die Schulter zu legen.

Neben einer Fülle solcher Erinnerungen bleibt aber auch der Kampf gegen die Krankheit, die Robert dazu brachte, sich selbst zu töten. Wissenschaftler nennen die Depressionen „die Geißel des 21. Jahrhunderts“, weil sie den Eindruck gewinnen, das enorm beschleunigte Tempo unseres Lebensstil fördere den Ausbruch psychischer Krankheiten. Deshalb bleibt es noch immer der erste und vielleicht wichtigste Schritt, dass wir ohne Verzagtheit und falsche Scham über die Krankheit reden können. Die beeindruckenden Auftritte des ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle in den Medien dieser Tage haben demonstriert, wie selbstverständlich wir heute über Krebserkrankungen reden können. Meine Eltern haben mir erzählt, dass vor 30, 40 Jahren über Krebs noch genauso verdruckst geschwiegen wurde wie bis zu Roberts Tod über seelische Krankheiten. Wir müssen es schaffen, mit Depressionen genauso offen, kompetent und natürlich umzugehen wie Westerwelle mit seiner Krebserkrankung. Denn auch wenn es verschiedene Krankheiten sind, gibt es doch eine entscheidende Parallele: Wie der Krebs ist die Depression eine Krankheit, die jeden treffen kann; wie bei Leukämie, Brust- oder Prostatakrebs kann der Betroffene nichts dafür, unter Depressionen zu leiden.

Im Sinne eines natürlicheren Umgangs mit Depressionen möchte ich deshalb mit zwei Missverständnissen aufräumen: Zum einen mit der immer wieder geäußerten falschen Idee, der Fußball habe Robert krank gemacht. Es ist gut möglich, dass Robert auch als Sportjournalist oder Versicherungsvertreter unter Depressionen gelitten hätte. Er hatte offensichtlich eine Veranlagung für die Krankheit. Richtig ist, dass Robert unter dem Gefühl litt, als Profifußballer seine Krankheit geheim halten zu müssen, was seine Behandlung erschwerte. Deshalb ist es wichtig, dass der Profifußball versteht, dass Depressionen unter Fußballern genauso vorkommen wie Kreuzbandrisse. Und dass der Profifußball deshalb genauso erstklassige Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen wie für Kreuzbandrisse bereitstellen sollte. Hier haben wir mit der Robert-Enke-Stiftung einen ersten Schritt getan, indem wir ein Netzwerk von Sportpsychiatern und Psychotherapeuten zusammenstellten und betroffenen Leistungssportlern über eine Telefon-Hotline die Möglichkeit geben, sofort kompetente Hilfe in ihrer Nähe zu finden. Robert und ich dagegen wussten zunächst nicht einmal, an wen wir uns mit seiner Krankheit wenden konnten!

Damit die Betreuung psychischer Überlastungen besser funktioniert, muss aber auch ein zweites Missverständnis ausgeräumt werden. Praktisch jeder Profiklub beschäftigt heute einen Sportpsychologen, und ich habe den Eindruck, viele Leute in den Vereinen glauben: Damit haben wir unsere Sportler doch in allen psychischen Fragen gut versorgt. Das ist aber nicht der Fall. Die Aufgabe eines Sportpsychologe ist es, die mentale Leistungsfähigkeit eines Sportlers zu verbessern. Er ist aber in der Regel weder dazu ausgebildet, noch ist es seine Rolle, mentale Krankheiten zu bekämpfen. Dazu bräuchte es eine bessere Zusammenarbeit mit Psychotherapeuten und Sportpsychiatern, wie wir sie im Netzwerk der Robert-Enke-Stiftung versammelt haben.

Ein Mitarbeiter unserer Stiftung war vor kurzem bei Athletic Bilbao, um dort vor den Nachwuchstrainern und –spielern einen Vortrag über psychische Krankheiten und Belastungen im Spitzensport zu halten. Er konnte dabei erfahren, dass sie dort in jüngster Zeit bei drei Fällen von Depressionen ohne öffentliche Aufregung, ganz selbstverständlich den Betroffenen kompetente Behandlung verschafften. Wie bei einem Kreuzbandriss. Das zu hören, war ermutigend.

Denn das bleibt auch sechs Jahre nach Roberts Tod: Mein Wille, dass sich sein Schicksal nicht mehr wiederholen soll. #wasbleibt

Eure Teresa Enke

80 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Teresa,

    ich heiße auch Teresa und denke heute an d. Tag von Robert Enke und finde es sehr interessant und bewunderns-
    wert, was Sie alles in dieser Zeit urch seinen Tod geschaffen haben. Er ist ganz sicher stolz auf Sie.
    Danke, dass Sie sich so dafür einsetzen, denn auch mir liegt sehr viel daran, zukünftig mehr zu unternehmen, zu unterstützen in Sachen Depressionen. Ich beschäftige mich sehr damit und lese viele Berichte, gehe auf Vorträge und beschäftige mich mit den unterschiedlichen Arten von Depressionen.

    Leider ist es in der Gesellschaft immer noch ein TABU-Thema, aber jeder einzelne, der es geschafft hat und selbst betroffen war oder ist, weiß dies.
    Ich selbst hatte 2014 eine sehr schwere Depression – Art Psychose. Leider war so schnell keine Hilfe/Unterstützung zu finden, Wartezeiten bis über einem halben Jahr. Mein Mann, meine Familie wussten
    nicht mehr weiter. Sie mussten mich am Ende bewachen. Ich war nicht mehr ich SELBST.
    Von außen betrachtet, hatte ich alles. Einen liebenswerten Mann an m. Seite, eine tolle Familie mit liebenswerten Geschwistern.
    Aber jemand, der das selbst nicht erlebt hat, kann sich oft nicht in d. Situation hineinversetzen.

    Letztendlich konnte mir auch keiner im Krankenhaus weiterhelfen, bzw. ich war auf der falschen Station, Alkoholstation weil kein Platz frei war auf der Station wo ich hin sollte. Denn ich sollte auf die Angststation, ich hatte damals Angst vor Fehlern, hatte kein Selbstvertrauen mehr, dachte ich bin eine schlechte Ehefrau, ich habe mich selbst aufgegeben bis dass ich dachte ich bin für alle nur noch eine Last.
    Es ging so weit, dass ich damals anfangs keine Gespräche hatte nicht richtige Gespräche und nur Tabletten sind
    das falsche.
    Dann war es soweit am 9.3.2014 habe ich e. Suizidversuch begangen. Danach begann eine schwere Zeit für alle.
    Dank meines lieben Mannes, der sehr viel Kraft hatte und immer da war und dank meiner tollen Familie und Freunde, die immer da waren. Habe ich 1 Jahr lang danach gebraucht mit tollen Psychologen und Heilpraktikern,
    und auch mit meinem Willen, das ist sehr wichtig. Ich wollte wieder frei sein, leben und Ich wollte weg von den Tabletten. Es ist zu schaffen, wenn man die Theraphien durchzieht und sich helfen lässt. Dank meines Umfeldes auch.

    Ich kann jetzt sooo viel zurück geben und werde weiterhin kämpfen, dass Depression in der Gesellschaft anerkannt wird wie eine normale Grippe. Ich will mehr machen und darüber reden.
    Habe so viel Liebe dadurch bekommen und werde Sie zurückgeben.

    Danke liebe Teresa für deine tolle Stiftung und tolle Seiten.

    Viel. finden Sie die Zeit sich einmal persönlich p. Email bei mir zu melden, ich wäre offen für alles. Und je mehr man mit unterstützen kann und mehr Menschen findet, desto besser.

    Jetzt bin ich STARK und liebe und genieße das Leben, genießen Sie die schöne Herbstzeit und Winterzeit, sie läd zur Ruhe ein, sich finden und sich zu sammeln.

    Alles Liebe und viel Erfolg weiterhin, ich werde dies weiter verfolgen.
    Ihre
    Teresa Ruhmann

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  2. Hallo!

    Guter Beitrag, genau so sollte es sein. Es muss darüber gesprochen werden. Depressive dürfen nicht mehr in eine Schublade gesteckt werden, sie sollen endlich akzeptiert werden und nicht mehr als irre abgestempelt werden.

    Um dies zu schaffen sind wir alle gefordert, aber auch Arbeitgeber stehen in der Pflicht. Es kann nicht sein, dass depressive Menschen, wie ich es auch hin, benachteiligt werden. Ich müsste dies selbst oft genug erfahren und das, weil ich einfach nur ehrlich war! Ist es nicht schlimm, dass wir uns teilweise verstecken müssen?

    Ich schätze Ihre Arbeit seh! Seit 2012 gehe ich mit meiner Krankheit an die Öffentlichkeit. Als erstes gründete ich die Webseite http://www.depressiv-leben.de danach schrieb ich ein EBook. Ich gehe offen mit meinen Erfahrungen um, da ich möchte, dass die Menschen endlich verstehen. Meine Oma, Mama und mein Onkel (den erwähne ich in meinem EBook nicht, da ich es nicht sollte) haben sich das Leben genommen. In meinem Buch versuche ich wachzurütteln.Ich versuche seitdem ständig über diese Krankheit aufzuklären.

    Ich komme wohne zehn Minuten von Hannover entfernt und verfolge die Aufklärungsarbeit und die Stimmung rund um dieses Thema sehr genau. Leider gibt es zu wenige die darüber sprechen. Wohl auch aus Angst.

    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!

    Viele Grüße
    Dennis W.

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  3. Depression hat leider immer noch ein Stigma in der Gesellschaft. Das liegt wahrscheinlich daran, dass jemand, der selbst noch keine Depression hatte, nicht abschätzen kann was das tatsächlich bedeutet.

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  4. Liebe Frau Enke,

    ich habe damals auch sehr getrauert, als sich Ihr Mann das Leben nahm und konnte ihn verstehen, weil ich selber mal einen Selbstmordversuch gemacht habe als junge Frau, wo mich dann glücklicherweise meine Mutter fand und mir das Leben gerettet hat. Mein Vater war 1987 an Krebs gestorben mit 45 Jahren und ich kam mit dem Verlust nicht zurecht. Vielleicht wollte ich ihm 1991 folgen, ich war in eine schwere Depression reingerutscht und mein Umfeld wusste nicht, was mit mir los war, auch mein damaliger Freund nicht. Eine ziemliche Hilflosigkeit damals und ich selber wusste auch gar nicht was mit mir passierte – konnte nicht mehr schlafen, hatte überhaupt keinen Appetit mehr und wusste gar nicht mehr, wann ich was gegessen habe, ob ich überhaupt was gegessen habe, keine Tagesstruktur mehr (habe mein Studium vernachlässigt), an die Decke starren, immer das Gefühl haben, ich muss mich hinlegen, unruhige Haut, strähnige Haare, keine Menstruation mehr bekommen und vor allem: Ich konnte mich auf nichts mehr konzentrieren! Das sind die schleichenden Anfänge, die muss man ernst nehmen! Ich bin noch nicht mal zum Arzt gegangen oder habe mir Hilfe gesucht. Es fing ungefähr im April 1991 an und den Suizidversuch habe ich Anfang September 1991 gemacht- hab versucht mich mit Tabletten umzubringen.
    Dann Klinik Aufenthalt in Aachen (sehr gute Therapie damals!) und Anfang 1992 habe ich mir überlegt wie es weitergeht: Eigene Wohnung, erstmal wieder Job suchen, neuer Freund…

    Seitdem hatte ich 2 Rückfälle: 1994 und 2008. 2008 war ich einer 2wöchigen stationären Betreuung, auch mit Medikamenten. Da ich starke Angstzustände hatte, bekam ich Tavor. Von Tavor wird man süchtig und hat nach Absetzen Entzugserscheinungen, das ist sowas von furchtbar. Für meinen Mann war es ganz schlimm, mich so zu sehen, er wusste zwar von meiner Erkrankung damals, aber da kannte ich ihn ja noch nicht. Für den Partner muss es die Hölle sein.
    Unsere Tochter war damals erst 2 1/2 Jahre alt und mein Mann hat um mich gekämpft.
    Seit 2008 habe ich viele Therapiegespräche geführt, nehme seit 2011 keine Antidepressiva mehr und mache mein regelmäßiges Sportprogramm und geregelten Tagesablauf, auch wieder arbeiten gehen. Dadurch geht es mir heute wieder gut. Natürlich habe ich immer wieder Tage, an denen es mir schlecht geht, aber nicht mehr so schlimm wie früher. Ich habe gelernt, über meine Schwächen, Problem und Ängste zu reden, meine Meinung mehr zu sagen, Grenzen aufzuzeigen, mich im Beruf zu behaupten, mich mehr abzugrenzen.

    Ich hoffe, ich bekomme keinen Schub mehr und wenn, suche ich mir Hilfe!

    Ich rate jedem Betroffenen: Nehmt die ersten Anzeichen war, sucht Euch Hilfe, schämt Euch nicht!!!
    Bei mir war einer „endogenen Depression“ damals die Rede, heute unterscheidet man ja verschiedene Episoden in der Depression.

    Dieser Wunsch sich umzubringen ist so schlimm, das kann man gar keinen anderen Ausweg mehr sieht, passt auf Euch auf!

    Alles Gute weiterhin, Ihnen Frau Enke und allen Betroffenen!

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  5. Sehr geehrte Frau Enke,

    obwohl nun schon einige Jahre vergangen sind, schreibe ich Ihnen, da ich nun selbst betroffen bin und den Suizid Ihres Mannes nachvollziehen kann. Meine 16-jährige Tochter hat sich ebenfalls vor ein paar Wochen vor einen Zug geworfen. Sie war auch psychisch krank. Wir nehmen an, dass Sie Ihren Tod nicht wirklich wollte, sondern fremdgesteuert war. Unsere Liebe war nicht genug. Trotz psychologischer und medikamentöser Behandlung, sowie einer liebevollen Zuwendung, ist Sie diesen Schritt gegangen. Es hätte nicht sein müssen, wenn sich verschiedene Stellen mehr gekümmert hätten und die Erkrankung ernst genommen worden wäre (Klinik, Polizei). Aber psychische Erkrankungen werden immer noch nicht offen thematisiert. Die Kranken und Ihre Angehörigen erhalten nicht die umfassende Hilfe, die Sie brauchen. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass die Familie der Suizidopfer oft so behandelt wird, als ob sie an dieser Erkrankung schuld wäre. Selbst die, die es besser wissen sollten (Ärzte, Polizei), haben uns dies spüren lassen. Aber wir sind eine ganz normale Familie und haben noch ein gesundes Kind. Die Erkrankung meiner Tochter war wahrscheinlich erblich bedingt.
    Ich danke Ihnen, dass sie so offen mit der Erkrankung Ihres Mannes umgegangen sind und geholfen haben, dass psychische Erkrankungen in unserer auf Leistung getrimmten Gesellschaft kein Tabuthema sind.

    Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft und bei Ihrer Arbeit. Unterstützen Sie die psychisch Kranken weiter so.

    In tiefer Trauer

    eine Mutter

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    • Hallo Luis,

      gerade komme ich nach Hause vom Länderspielgucken bei Freunden. Nun, das war ja ein regelrechtes nervenaufreibendes Spiel gewesen – mit dann doch noch glücklichem Ausgang .
      Wobei ich eines sicher weiß: Als „letzter Mann“ im Tor stehen wollen würde ich grundsätzlich nicht, sicherlich aber heute abend hätte ich es nicht gewollt.

      Ich hatte noch einmal kurz über deine Fragen nachgedacht. Der Rahmen drüben bot und bietet wohl auch hier sicher nicht ausreichend Raum, um auf alle Aspekte einer so facettenreichen Erkrankung – „Schizophrenie“ ist lediglich der Oberbegriff für ein ein ganzes Bündel an bei vielen Betroffenen beobachtbaren und wiederkehrenden Symptomen- mit gebührender Berücksichtigung einzugehen.
      Aber es ist vielleicht auch nicht so, wie ich meinte, dass es nur schwarz und weiß gäbe, also Unzurechnungsfähigkeit aufgrund von situativen Verkennungen innerhalb der psychotischen Schübe (=Psychosen) und Berechenbarkeit außerhalb derer während einer möglichen postschizophrenen Depressionen.

      Auch wenn es nicht auf jeden Fall zutrifft: Vielen Psychosen liegt jenseits von Halluzinationen und anderen Positivsymptomen tatsächlich oft auch ein Wahnsystem zugrunde.
      Viele Betroffene verlieren darüber wenig Worte, auch nach ihren Episoden nicht, und vergessen wieder, auch über die starken Medikamente. Erstens, weil ihnen die für sie häufig traumatisierenden Erfahrungen peinlich sind und zweitens, weil sie im Grunde sowieso niemanden interessieren. Die bei der Bewältigung der Erkrankung meines Erachtens jedoch aufzuarbeiten nicht unwichtig sind.

      Die kurze und geraffte, jedoch wahre, Geschichte von den Bahngleisen in Süddeutschland, die ich erzählte, spielte sich im Herbst 2009 ab. Ich war damals 29 Jahre alt. Ich musste damals nicht nur mit allzeitiger Überwachung , sondern auch mit der ständigen Beobachtung durch meine Umwelt leben. Einerseits stand ich, der ausgemachte Nobody, zwar durchaus in loser Verbindung zu hochrangigen Kreisen in Politik und Prominenz. Anderseits wurde tagtäglich über mich in den Zeitungen geschrieben, und zwar bis ins Detail und über peinlichste Intimitäten. Ich wurde direkt in Radiosendungen angesprochen, übers Fernsehen und in den Tagesthemen, gefüttert mit den kompromittierensten Videoaufnahmen aus meinem persönlichen Umfeld.
      Das Problem dabei: Ich wollte das alles mitnichten. Bin ich doch bis dahin ein immer zurückhaltender und scheuer Mensch gewesen.

      Mit zunehmender Überwachung jedoch, in eine jede meiner Jacken waren unzerstörbar Mikrophon und Sender eingenäht, wurden mehr und mehr Fehltritte von mir offenbar. Bisher hatte ich schon reichlich Vertrauen verspielt. So lastete man mir die Verantwortung für den Tod vieler Kindern bei dem geplanten Homozid/Amoklauf vom Frühjahr 2009 in Baden-Würtemberg an: Ich habe durch Interneteinträge auf einer persönlichen Homepage den Täter als vermeintlicher Rädelsführer erst auf die todbringende Spur gesetzt.

      Das Ganze, die öffentliche Nachstellung, die Bloßstellung und die Vernichtung meiner bürgerlichen Existenz wie der Verlust meiner Wohnung zerrten zunehmend an meinen Nerven.
      Ich fühlte mich wie ein für mehrfachen Mord verantwortlich Zeichnender, dem keinerlei Schonung und Schutz seiner Persönlichkeit vor der Öffentlichkeit mehr zugebilligt wurde. Ich war sozusagen vogelfrei. In meiner Not bezichtigte ich mich gegenüber der Polizei selbst des Kindesmissbrauchs, in der Hoffnung damit dem Spuk ein Ende zu bereiten. Damit hört es jedoch nicht auf.

      Als nur wenige Wochen nach meinem vereitelten Ausflug auf die Gleise im Süddeutschen die Polizei erneut meiner habhaft wurde und ich fixiert und gegen meinen Willen mit Olanzapin behandelt wurde, ich verbrachte keine drei Tage auf der Geschlossenen, erfuhr ich aus der Tagespresse, die mir auch dort wie gewohnt zugänglich war, von einem gewissen Robert Enke, der sich vor den Zug geworfen habe.
      Heute muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich alles andere als ein Fußballexperte bin und bei den ständig wechselnden Gesichtern den ein oder anderen Namen nicht auf Anhieb einordnen kann. Nur eines war mir damals klar. Einen Spieler, erst recht einen Torwart mit dem Namen Robert Enke, gab es nicht: Von dem musste ich schließlich gehört haben. Niemals konnte sich folglich ein so benannter Torhüter vor einen Zug geworfen haben. Die „herzergreifende“ Zeremonie im Stadion, der leere Sarg in deren Mittelpunkt, das alles war ein Trugbild einer unerhörten öffentlichen Inszenierung, bei dem mich eigentlich nur die fast überzeugende „Schauspielkunst“ einer weinenden jungen Frau irritierte, die sich mir viel später erst als seine Witwe, Theresa Enke, herausstellte.

      All das , wie die alltäglichen Demütigungen aus den Nachrichten zuvor, stellte nichts weiter als ein neuerliches Riesenkomplott dar, der einzig und allein dem ausschließlichen Ziel diente, -mich und sonst niemand anderes- in den Tod zu treiben.
      Die versammelte Republik hatte meinen gescheiterten Schienensuizid in den Wochen davor in einer diabolischen Reality-TV Show im Stile von „Running Man“ mitverfolgt, der mich nun zum Gespött des ganzen Landes machte. Bei dem wahnwitzigem Spiel, mich sprichwörtlich in den Tod zu treiben, gab es eigentlich nur die eine goldene Regel: Niemand durfte persönlich Hand an mich legen. Sonst waren so ziemlich alle Bandagen und Trick erlaubt, um mich soweit zu bringen, dass ich den letzten Schritt von mir alleine aus tat.
      So in etwa stelle ich mir seit diesen Tagen „Mobbing“ vor.

      Jedem freundlichen Lächeln einer gutmütigen älteren Dame während meiner „Ausgänge“ lag demnach ein höhnisches Grinsen zugrunde: Dass ich bei meiner Ausführung bisher versagt habe.

      Wenn man nicht bereits verrückt ist, treibt einen das über kurz oder lang dem sicheren Wahnsinn entgegen. Weil man als jemand, der, von der aberwitzigen Selbstanzeige einmal abgesehen, nichts weiter verbrochen hat, als vielleicht bei Rot einmal über die Ampel zu gehen, keine Erfahrung hat mit Prominenz, diesem unbändigen Hass, der einem aus der Bevölkerung und von seinen Mitmenschen unvorbereitet entgegen schlägt, nichts mehr entgegenzusetzen weiß.

      Nichts von dem Spektakulärem, worüber ich bis zu dieser Zeile geschrieben habe, hatte sich natürlich tatsächlich so zugetragen. Aber es war tatsächlich passiert – in meinem Kopf.
      Und in den Köpfen anderer Betroffener ereignen sich wiederum andere Geschichten, von denen ich und andere keinen keinen blassen Schimmer haben.
      Die aber dazu führen können, dass man dem Wahnsinn ein Ende setzen möchte, weil man es schier nicht mehr erträgt.

      Ich hoffe, ich konnte zumindest ein holzschnittartiges Beispiel liefern für das, was man gemeinhin als Symptom vom „Wahn“ bezeichnet, der viele um ihren Verstand bringt, und, wie du oben richtig erwähnst, einen zuweilen fremdgesteuert werden lässt, ohne eine Ahnung zu haben, ob dem Verlust Deiner geliebten Tochter ein Wahn zugrunde lag.

      Ich wünsche Dir viel Kraft beim Verarbeiten Eures großen Verlustes.

      Birne.

      @Verehrte Frau Enke: Mein Post ist als Antwort auf „Hoffnung“ zu verstehen. Wenn er zu lang ausgefallen oder Sie oder jemanden anderen unangenehm berühren oder gar verletzen sollte, so bitte ich diesen zu entfernen. Hintergrund war lediglich, damit einer trauernden Mutter ein beispielhaftes Bild von einem schizophrenen Wahnsystem zu geben.

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  6. Als ich von Roberts Tot erfahren habe, war mein erster Gedanke:
    WOW der hat’s gemacht! Seit dem ist viel Zeit vergangen, aber eins hat sich nicht geändert.
    ich bewundere seinen Mut!, den ich nicht habe.

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    • Lieber Christian,

      bitte lass Dein Vorhaben bleiben. Natürlich gehört viel Mut dazu, aber mehr Mut gehört zum Leben.
      Wir haben unsere psychisch kranke 16-jährige Tochter vor ein paar Wochen auf die gleiche Art und Weise verloren. Ich kann Dir sagen, dass es für uns die Hölle ist. Trotz liebevoller Zuwendung, Psychotherapeutische Betreuung, Medikamenten hat Sie diesen Schritt getan, obwohl wir auch annehmen, dass Sie „fremdgesteuert“ war, da sie noch viele Zukunftspläne hatte. Sie hinterlässt einen Scherbenhaufen und eine unendliche Trauer für die ganze Familie. Denke bitte auch an Deine Angehörigen und suche Hilfe. Für alle, die den Suizidopfern nahestanden, ist die Welt nicht mehr so, wie sie war und man denkt selbst daran, aus dem Leben zu scheiden, da alles seinen Sinn verliert. Möchtest Du dass Deinen Angehörigen antun, zumal Du die Fähigkeit hast, darüber zu entscheiden und nicht fremdgesteuert bist.

      Also habe den Mut zu Leben!

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  7. Pingback: Depression und Gesellschaft - Limalisoy

  8. Liebe Frau Enke,

    as von rezidivierender Depression Betroffene habe ich großen Respekt für Ihr Engagement und Ihren Mut, öffentlich über diese Erkrankung zu sprechen, die das(soziale, partnerschaftliche, Arbeits- usw) Leben so sehr einschränken kann. Ich schließe mich von Herzen Ihren Wünschen nach mehr Aufklärung und schnellere, auf den Einzelfall passender Behandlung an, um mitunter Leben zu retten und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien und verbessern. Es wäre so schön, eines Tages nicht mehr das Gefühl zu haben, sich auf der Arbeit, vor Bekannten
    oder leider teils sogar medizinischem Fachpersonal nicht mehr für den Satz Ich habe Depressionen schämen zu üssen. Depressionen sind genau so eine Erkrankung wie andere auch sie werden sich vom Betroffenen nicht ausgesucht oder haben mit Schwachsein zu tin. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die das versteht. Zum Glück hat sivh in den letzten Jahren meinem Eindrick nach schon einiges diesbezüglich getan. Wenn Angehörige, Betroffene, Interessierte und Fachleute zusammenhalten, vielleicht schaffen wir dann noch mehr Schritte?

    Alles Gute und herzliche Grüße an Sie

    Antworten

  9. Liebe Teresa,

    noch vor Jahren habe ich mich gefragt, woher Sie wohl all die Kraft für die unermüdliche Aufklärungsarbeit nehmen und Sie stets bewundert. Gleichsam habe ich mit meinen eigenen Dämonen gekämpft und mir nicht vorstellen können, einmal so offen mit dem umzugehen,was ich vor allen Geheimhaltung wollte. Als mein persönlicher Zusammenbruch vor zwei Jahren dafür sorgte, dass ich mein Leben wegwerfen wollte, hatte ich nicht einmal mehr Kraft für meine beiden kleinen Kinder. Doch ich habe mich wieder ins Leben zurückgekämpft!
    Seit einem Jahr führe ich selbst einen Blog und schreibe u.a. sehr persönliche Beiträge zum Thema Depression und Hochsensibilität (http://limalisoy.de/category/depression/). Ich bin offen und ehrlich und versuche so gut es geht Gefühllosigkeit, Fassaden aber auch die eigene Ohnmacht zu schildern, wenn von außen nur Unverständnis entgegengeschleudert wird. Damit möchte ich meinen Lesern die Augen öffnen, aber auch Tipps für Angehörige geben, die nicht mehr weiter wissen. Aufklärungsarbeit ist so wichtig und geht uns alle an. Bitte nutzen Sie Ihre öffentliche Bekanntheit weiterhin für den Kampf gegen das „unter den Teppich kehren“, das Verharmlosen oder das (im wahrsten Sinne des Wortes) Totschweigen, damit die Depression wirklich einmal im Volksmund so gängig wird wie es der Krebs heutzutage ist.

    Ich wünsche Ihnen Kraft und Zuversicht!

    Yvonne

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  10. Liebe Theresa, ich habe meinen Lebenspartner Weihnachten 2014 durch Suizid verloren.
    Nun, mittlerweile habe ich einen Basiskurs beim Krisendienst absolviert, und bin ehrenamtlich bei der AGUS Suizidgruppe in Berlin tätig, als erste Anlaufstelle für Betroffene. Es ist ungeheuerlich wichtig prophylaktisch den Depressionen entgegen zu wirken. Denn es nimmt erschreckend zu. Du hast großartiges aufgebaut. Bei uns geht es nur schleppend voran.
    Ich wünsche mir, dass ein wenig mehr offen über die noch so totgeschwiegene Krankheit berichtet wird. Leider kann man nicht immer im Vorfeld etwas dagegen unternehmen, sonst wären unsere Männer sicherlich noch am Leben. Aber diese Krankheit so anzunehmen, als wäre sie selbstverständlich. Denn aus Scham werden viele Menschen über ihre Depressionen nicht reden wollen, wie es bei meinem Partner der Fall war. Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen bei dem Projekt der Enke Stiftung.
    Simone

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  11. Pingback: Über den gesellschaftlichen Umgang mit Depressionen | Democratic Post

  12. Liebe Frau Enke,

    am prägendsten finde ich Ihren Satz „Er hatte offensichtlich eine Veranlagung für die Krankheit.“.
    Nach 3 frühen Fehlgeburten und dem Tod unserer beiden Töchter (2010 an HLHS und 2014 an SLOS) fragten wir uns oft, warum wir das alles verkraften. Die Mutter einer Kollegin sagte genau das gleiche wie Sie: In uns liegt es (Gott sei Dank) nicht drin.
    Vor einem Monat hat sich eine Bekannte das Leben genommen.
    Ich habe die Biografie ihres Mannes gelesen nachdem unsere Tochter an HLHS starb, weil eine Nachbarin erzählte, dass ihre Tochter das auch hatte. Zu lesen, was auf uns zu gekommen wäre, hätte sie länger gelebt, war schockierend. Und doch durften wir so vielen auch nicht mit ihr erleben.
    Was Sie erleben und verarbeiten mussten (Tochter, Mann, Bruder) ist

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    • … enorm. Und doch geben Sie nicht auf. Und sagt man immer wie stark wir seien. Doch Sie sind noch viel stärker als wir es sind.

      Ich wünsche Ihnen alles Liebe
      Michaela

      Antworten

  13. Sehr geehrte Frau Enke,
    Sie haben in der Pressekonferenz nach Roberts Tod einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, jedesmal, wenn sein Todestag sich nährt, und Sie über die vielfältige und tiefgreifende Erkankung sprechen und dafür in der Öffentlichkeit um Gehör werben, wird der Eindruck bei mir als langjähriger 96-Fan und Betroffener immer tiefer.
    Ich habe großen Respekt vor Ihrem Schicksal und wie Sie damit umgehen.
    Sebastian

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  14. Pingback: #Link11: Sportpolitik | Fokus Fussball

  15. Der 10.November bleibt spitzer Stein in meiner Biographie. Noch mehr der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt… Die Dämme brachen, Klinik..etc. Gerettet aber nicht geheilt. Bei allem besseren Verständnis der Aussenstehenden …sie verstehen es nicht, können es nicht. Ich würde sogar sagen Gottseidank, denn ihnen bleibt das erspart, was mir/uns…
    Eine Erinnerung:

    …auch eine Erinnerung am Todestag von Robert Enke
    1982 (nicht erfunden)
    münchen
    u-bahn odeonsplatz
    die bahn fährt ein
    neben mir ein sprung
    ein weisser schatten
    schreie
    stille
    die bahn hält
    bremsend-knirschend
    zu spät
    der fahrer
    taumelnd auf den bahnsteig
    „warum immer mir“
    er wird nie wieder fahren können
    zweifaches leid
    das der verzweifelten
    dass des unfreiwilligen henkers
    zerstörtes leben
    was weiß
    ich von dem
    der neben mir steht
    sw

    Antworten

  16. Depressionen sind eine Stoffwechselstörung, die manchmal tödlich endet. Ein Diabetiker, der ins Diabetische Koma fällt und mit dem Wagen in ein anderes Auto fährt, trifft keine Entscheidung. Er wird zum Opfer seiner Erkrankung. Ebenso, wie die Person im anderen Auto ein Opfer dieser Erkrankung ist. Ein Mensch, der durch seine Stoffwechselstörung „Depression“ in den Tod getrieben wird, trifft keine Entscheidung. Er wird zum Opfer seiner Erkrankung. Kaum jemand, der nicht schon an diesem Punkt gewesen ist, ihn überwunden hat und gesund wurde, kann dies nachvollziehen. Die extreme Fremdbestimmung durch die Krankheit ist unvorstellbar.

    Ich wünsche der Familie von Robert Enke von Herzen alles Gute. Und ich wünsche den Familien der Menschen, die durch Depression gepeinigt werden, dass sie die Kraft haben, ihren geliebten Menschen zu tragen, wo es möglich ist.

    Antworten

  17. Hallo Heidi

    Auch wenn ich in Frage stelle, dass 75% aller betroffenen Lokführer ihren Beruf danach nicht mehr ausüben können, bekräftigt es das doch noch: man muss am Ursprung ansetzen und verhindern, dass es passiert.

    Man kann über die betoffenen Lokführer reden, aber dadurch leider am Grundproblem garnichts ändern. Es ist schlimm, aber je früher man bei Depression als Krankheit ansetzt, desto mehr kann erreicht werden.

    Antworten

  18. „Ein Feind der einen Namen hat, den können wir bekämpfen “
    Ja, so habe ich gedacht, als endlich bei unserem Sohn die Diagnose feststand. Aber leider ist es ein Kampf, der sich immer wieder wiederholt. Mal stärker, mal schwächer, immer abhängig von vielen Faktoren.
    Unser Sohn wollte viele Jahre nicht, dass überhaupt jemand aus dem Umfeld die Diagnose kannte und so musste er vieles erleiden, ohne überhaupt etwas dafür zu können. Erst in den letzten Monaten öffnet er sich langsam und erfährt, dass man Ihn nicht für behindert hält.
    Die Krankheit hat sein Leben beeinflusst, doch die Umwelt, die mit den Symptomen nicht umgehen kann, hat sein Leid um ein vielfaches erhöht. Ich wünsche mir, dass es für Depressionen irgendwann das gleiche Verständnis gibt wie für jede sichtbare Erkrankung, den erst dann wird das Verständnis und die Hilfe bei den Betroffenen ankommen.
    Mein Sohn ist heute 19, erkrankt mit 8, Diagnose mit 12! Depressionen gibt es auch bei Kindern!!! Aber das glauben noch nicht mal alle Ärzte!

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  19. Hallo Teresa,
    Robert Enke ist und bleibt ein Idol und war in meinen Augen einer der besten Torhüter.
    Seit ca. 4 Jahren ist dieses Thema Depression bei mir an der Tagesordnung. Das schlimme an dieser Erkrankung ist, das es nicht weh tut. Man tut nur anderen weh. „Einer“ meinte ob es im Beruf akzeptiert wird, nein es ist absolut nicht.
    Ich habe 30 Jahre Arbeitnehmervertretung und meine normale Arbeit (Contoschicht 3-schichtig) beides gleichzeitig gemacht. Irgendwann meinte meine Familie“bist du noch da“….
    Ich habe es nicht gemwerkt und so ging es weiter und weiter, wie gesagt bis vor ca. 4 Jahren. Man war kein Mensch mehr. „Burn out“ hat jeder verstanden, aber Depressionen–„Da frisst man doch kleine Kinder oder?“ Krass…….
    Die Gesellschaft hat diese Krankheit noch immer nicht akzeptiert und wird es wohl auch nicht.
    Sehr schade ….

    Liebe Grüße

    Antworten

  20. Liebe Teresa,
    auch ich habe im Dezember 2009 meinen Partner durch Suizid verloren. Auch bei ihm spielte Depression eine große Rolle. Nach außen war er immer der starke, unverletzliche Freund, Arbeitskollege, Partner, Vater ….. aber innerlich war er ganz ganz anders. Eine schwere Zeit liegt auch bei mir hinter mir und es ist einfach Klasse, dass Sie die Krankheit „Depression“ öffentlich diskutieren. Auch wenn es unsere Männer nicht wieder zurück bringt. In Gedanken sind sie jedoch immer bei uns! In dem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Kindern weiterhin viel Freude am Leben und Zuversicht.
    Jeannette

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  21. Ich habe selbst eine Depression seit vielen Jahren. Jeden Morgen ist es ein Kampf aufzustehen und sich dem Arbeitsalltag zu stellen. Zuhause wartet der Haushalt. Schaffe ich Ihn Heute? Hinzu kommen die allgemeinen Alltagsprobleme. Wie gehe ich damit um? Kann ich sie Heute bewältigen?

    Ich bin jeden Tag Stolz auf das was ich schaffe. Nur sieht es niemand welcher Kampf und welche Kraftanstrengungen notwendig sind. Wenn man darüber offen reden könnte, Wenn „die anderen“ wüßten, warum ich schon Nachmittags fix und fertig vom Tag bin. Wenn Sie wüssten, wie schwierig es ist, alles sofort wieder zu vergessen wenn man es nicht aufschreibt.

    Mehr über Depression zu reden würde helfen. Es ist ein Skandal das man nicht über eine Volkskrankheit reden kann, ohne gebrandmarkt zu sein.

    Ich wünsche der Familie Enke viel Kraft für Ihr Engagement.

    Antworten

    • Genau so sehe ich das auch und ich bin leider berentet und darf wenigstens meine Meinung etwas freier äußern als Andere, die arbeiten müssen und evtl. noch ausspioniert werden, wenn man es auf einer öffentlichen Seite zugibt!

      Antworten

  22. Wir sind so viele…
    Durch seinen Tod begann man endlich über Depressionen zu reden. Mir hat es geholfen, endlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wobei ich Glück hatte, das in meinen schwärzesten Momenten durch glückliche Umstände, sehr schnell Hilfe da war und ich nicht erst noch ein halbes bis ein Jahr auf einen Termin bei einem Psychiater oder Psychologen warten mußte. Hätte ich das Glück nicht gehabt, so wäre auch ich wohl auf dem gleichen Wege aus dem Leben getreten, denn den Platz hatte ich mir schon ausgesucht.
    Ich würde mir wünschen, das die Akzeptanz des Krankheitsbildes bei den gesunden Mitmenschen, gerade auch im beruflichen Umfeld, größer wäre. Wie schnell gilt man als nicht mehr belastbar. Unzählige Male wurde mir im alljährlichen Mitarbeitergespräch vorgehalten, das ich durch die Krankheit seinerzeit lange Ausfallzeiten hatte.
    Es ist noch ein weiter Weg, bis die Erkrankung „Depression“ den gleichen Stellenwert wie die des „Kreuzbandrisses“ erfährt, aber dank Ihrer Arbeit nähern wir uns immer mehr daran an.
    Vielen Dank dafür!!!

    Antworten

  23. Hallo Teresa,
    Seit vielen Jahren leide auch ich unter dieser Krankheit. Durch Medis und starkem Wille habe ich es geschafft ein fast normales Leben zu führen. Doch jetzt kam die Trennung von meinem Partner und schwupp die wupp ist alles wieder ausgebrochen. Ich weiss nicht wie ich jemals diese Krankheit besiegen kann. Wünsche für dich alles Liebe

    Antworten

    • Auch ich frage mich, ob die Krankheit besiegbar ist und ob der Weg mit Medikamenten, die irgendwo die Persönlichkeit verändern, wenn man sie auf Dauer nimmt, der richtige Weg ist! Würde ein Notfallpräparat und eine gute Therapie nicht genügen?

      Antworten

  24. Es ist eben nicht so, dass man über Depressionen sprechen kann wie über einen Bänderriss.
    Die Belastbarkeit wird vom Arbeitgeber in Frage gestellt, unter den Kollegen haben „Psychos“ in
    „dem Beruf“ nichts verloren etc. .
    Vielleicht ist es an der Zeit sich in die Öffentlichkeit zu begeben? Aber haben wir auch den Schutz den wir dann brauchen? Und hält man das wann dann kommt auch aus?

    Antworten

    • Nein wir haben den Schutz leider nicht und ich habe es nicht ausgehalten, was dann gekommen ist. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf und vertraue auf die Öffentlichkeitsarbeit dieser Organisation und Anderen, dass sich etwas ändern wird. Wenn nicht für mich – dann für meine Nachkommen?!

      Antworten

  25. Liebe Teresa,

    ich finde es bewundernswert, dass Sie soviel unternehmen, um anderen zu helfen und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg dabei.

    Herzliche Grüße
    Tina Wienstroth

    Antworten

  26. Liebe Teresa,

    als Betroffene möchte ich Ihnen herzlich für ihr Engagement danken. Ich erlebe tagtäglich wie sich außer meinem Mann jeder von mir abwendet. Selbst in der eigenen Familie gibt es nur Unverständniss und Vorhaltungen. Ich werde trotzdem weiter kämpfen……

    Conny

    Antworten

  27. Liebe Frau Enke,

    Der Suizid Ihres Mannes hat für mich eine besondere aber auch eine tragische Seite. Wenige Wochen vor Ihrem Mann hat sich meine Mutter auf die selbe Art und Weise das Leben genommen. Auch meine Mutter war in Behandlung, wussten aber im Nachhinein betrachetet alle nicht, wie wir damit umgehen sollten. Falsche Beratung der Ärzte lasse ich absichtlich aussen vor.

    Der Tod Ihres Mannes und die durch Ihren persönlichen, offenen und aktiven Umgang mit der Krankheit verbundene Medienpräsenz war für uns als unbeteiligte und doch auf gewisse Weise als betroffene eine Hilfe in dieser schweren Zeit der Aufarbeitung. Dadurch, dass das Thema Depression öffentlich diskutiert wurde, wurde uns (oder zumindest mir) auch die essentielle Suche nach dem „Warum“ quasi aufgezwungen und man musste sich damit beschäftigen. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass dies auch richtig war, wenngleich auch der Stand der Hinterbliebenen aufgrund des mangelnden Verständnisses und Transparenz der Krankheit in der Gesellschaft nicht einfach ist. Dadurch, dass über Suizide nur im Ausnahmefall öffentlich berichtet wird – was ich aufgrund der Nachahmungen verstehen kann – sind Depressionen im Grunde nicht präsent. Obwol es mehr als Verkehrstote sind. Vielleicht müsste man wenigstens über die absoluten Zahlen in der Öffentlichkeit sprechen und berichten, um eine höhere Sensibilität zu erreichen.

    Ich will Ihnen für Ihre Arbeit, Ihren Mut und Ihre Energie danken, mit der Sie auch anderen helfen. Das wichtigste ist es aus meiner Sicht, sich auch als Hinterbliebener mit dem Thema zu beschäftigen.

    Auch wenn es immer noch weh tut, sind 6 Jahre zurückblickend schon viele Wunden geheilt. Die Narben werden bleiben, aber auch die schönen Erinnerungen an die Menschen die wir lieben.

    Antworten

  28. Liebe Teresa,

    Danke von Herzen für Ihr aus so traurigem Anlass geborenes unablässiges Engagement in dieser Sache! Sie geben dem, was nicht veränderlich ist, wenigstens im Nachhinein einen Sinn. Und sorgen damit für echte Veränderung in der Welt!

    Im Sport ist das Thema Depression dank Ihrer Arbeit und den „Outings“ von Deisler und anderen zumindest salonfähiger als früher. Ein Tabu bleibt es weiterhin in Verbeamtungsberufen – auch hier wäre Aufklärung dringend nötig. So viele angehende Lehrer, Richter, Verwaltungsbeamte verheimlichen ihre Depression aus Angst, die Laufbahn nicht mehr einschlagen zu können, auf die sie jahrelang hinstudiert haben. Überspitzt könnte man das als staatliche Beihilfe zum Selbstmord beschreiben – diese Menschen werden durch ihre Erkrankung in ein Dilemma getrieben, das die Erkrankung verschlimmert.

    Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihre Arbeit und erst Recht für Sie persönlich und Ihre Familie!

    Grüße von Herzen
    Ein Sonnenkind

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  29. Meine Mutter hatte auch vor einiger Zeit auch unter Depressionen zu leiden. Gott sei Dank ist sie seit Jahren geheilt. Es war eine schlimme Zeit f.sie und meine Familie und ich finde es super, dass Sie sich für dieses Thema so engagieren. Vielen Dank.

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  30. Liebe Frau Enke ,
    gerade gestern Nacht hatte ich nach über 6 Jahren wieder einen dermaßen lebhaften Traum über bzw. mit dem Menschen, der , genau wie ihr Mann, keinen anderen Weg gewußt hat, das Leben zu meistern als es sich zu nehmen.

    In der ersten Zeit war ich böse auf ihn, oft verzweifelt auf der Suche nach DEM Grund, warum er uns “ im Stich “ gelassen hat, zwischendurch meinte ich, ihn und seine Beweggründe verstanden zu haben, … aber heute beim Aufwachen ist mir wieder bewußt geworden, dass nur Eines wichtig ist : er hat uns geliebt und sein Bestes gegeben !

    Es darf keine Schuldzuweisungen geben .

    Ich liebe ihn ! Punkt aus, ohne Komma !

    Und ich weiß, dass Sie und Ihre Familie genauso empfinden.

    Antworten

  31. Liebe Teresa,
    mein kleiner Bruder war in diesem Jahr sechs Monate in stationärer Behandlung wegen Angst und Panikattacken. Ich bin froh das er nun wieder daheim ist und sogar schon wieder arbeiten geht. In einem Gespräch hat er mir auch gesagt das es Situationen vor der Behandlung gab, in denen er im Auto als Fahrer sitzend und fahrend darüber nachdachte, welchen Baum er wohl nehmen sollte! Er war zu dieser Zeit aber zum Glück immer noch gedanklich so stark das er es nicht tat und sich professionelle Hilfe gesucht hat. Mein Vater hat diese Erkrankung leider nie akzeptiert und verstanden. Sodass von seiner Seite auch kein Verständnis vorhanden war, nur immer die Aussage kommend, dass sich sein Sohn doch endlich finden soll und wieder arbeiten gehen muss. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!

    Antworten

  32. Liebe Frau Enke,
    in Bewunderung Ihrer Stärke verneige ich, der ich Ihre Familie – also auch Ihre Eltern – kenne, mich vor Ihnen und Ihrer Familie, die so viele Schicksalsschläge erleiden mußte und dennoch nie aufgegeben hat.
    Mit Jean Paul möchte ich Ihnen und Ihren mir so lieb gewordenen Eltern zurufen:
    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir – und auch Sie – nicht vertrieben werden können.
    Ganz liebe Grüße auch an Ihre Eltern
    Axel Derks (Abituria 69 Uffenheim)

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  33. Liebe Teresa Enke!

    Ich bin seit 20 Jahren selber betroffene und weiß wie hart diese Erkrankung sein kann. Ich finde es großartig was Sie für Aufklährungsarbeit leisten!
    Der Todestag Ihres Mannes, damals vor 6 Jahren, war für mich auch ein besonderer Tag. Bevor ich es im Radio erfuhr hatte ich einen schlechten Tag. Ich wußte nicht mehr was ich wollte und wohin mein Weg mich führte. Diese Mitteilung im Radio hatte mir gezeigt welche Wahl ich im Leben habe und ich entschied mich für’s Leben. Ich fertigte mir einen Ring an in dem ich:“ Für immer Ich“ gravieren lies. Und mein Heilungsprozess nahm seinen Lauf.
    Heute bin ich zufrieden mit meinem Leben, auch wenn nicht immer alles rosig ist. Ich bin verheiratet mit einem tollen Menschen und Mutter geworden. Auch wenn mein Mann heute an Depression erkrakt ist bringt mich das nicht aus der Bahn. Ich habe es in 20 Jahren geschafft eine gesunde Mutter zu sein und er schafft es ein gesunder Vater zu werden. Ich wünsche meiner Tochter das sie diese Veranlagung nie ertragen muß und dafür werde ich alles tun und ihr zeigen wie man Gefühle lebt und sie nicht verstecken muß. Ich wünsche ihr das sie den Glauben an sich und ihre Fähigkeiten nie verliert dann wird sie mit allem was das Leben zu bieten hat umgehen können!
    In meinem Rahmen spreche ich oft über meinen Weg. Denn auch ich glaube das das Leben heutzutage Psychische Erkrankungen provoziert. Und für mich ist es auch wichtig offen darüber zu sprechen um dieses wichtige Thema aus der Tabuzone zu holen.
    Bitte machen Sie weiter so, in meinen Gedanken wir Ihr Mann immer besonders bleiben auch wenn ich Ihn nicht kannte.
    Er eröffnete mir mein neues Leben. Er weiß das ich dafür Dankbar bin.
    Meine Hochachtung!
    In Gedanken,
    Daniela Tresp!

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  34. Hallo zusammen,
    Gleich zu Beginn, ich respektiere jeden der unter Depressionen leidet und verzweifelt nach einer guten Lösung für sich sucht.
    Es wird an Herrn Enke gedacht und wie schwer er es hatte.
    Es wird eine Stiftung gemacht. Usw.
    ABER hat sich mal irgend jemand Gedanken gemacht, wie es dem Lokführer geht.
    Wie er damit klar kommt einen Menschen getötet zu haben und noch nicht mal die Chance selbst darüber zu entscheiden.
    Sein Leben lang damit leben zu müssen schuld am tot eines Menschen zu sein.
    Ja geht mal in euch und denkt drüber nach.
    Gruß Tino

    Antworten

    • Ich bin mir sicher, dass jeder hin schonmal einen Gedanken an den Lokführer verwendet hat. Natürlich ist es furchtbar so etwas erleben zu müssen. Aber geh mal in dich und denke darüber nach, wieso depressiv erkrankte Menschen den freitod wählen. Weil sie einen Ausweg aus dieser Krankheit suchen. Sie sehen keinen anderen Ausweg.

      Antworten

      • Hallo Bettina,
        Ich will die schwere dieser Krankheit auf keinen Fall klein reden.
        Doch muss man einen unbekannten, fremden bis dahin glücklichen Familienvater so etwas aufzwingen.
        Schlimm genug das es überhaupt soweit kommen muss, wird es auch noch einem Fremden überlassen es zutun.

        Antworten

        • Ich sehe durchaus die hohe Belastung eines Lokführers – manch einer mußte seinen Beruf aufgeben. Es ist schlimm, daß ein Unschuldiger mit reingezogen wird, DENNOCH sollte jedem ganz klar sein, daß ein Mensch, der sich töten möchte, sich in einem Ausnahmezustand befindet, wo Gefühle und Gedankengänge verändert und nicht vergleichbar mit psychisch gesunden/stabilen Menschen sind. Der Verzweifelte will mit seiner Tat dem Lokführer nicht schaden, er hat nur den Tod als Ziel vor Augen und der Zug ist nun mal eine recht sichere Methode. Jeder Mensch befand sich bestimmt irgendwann schon mal in tiefer Traurigkeit oder vielleicht auch in einer temporären Hoffnungs-/Auswegslosigkeit und erinnert sich wie anders er sich fühlte ……… anders als normal ……… klare Gedanken fassen sehr schwer, da beeinträchtigt ……….. ein vielfaches stärker das Ganze bei einem Menschen, der Suizid begeht. Könnte dieser Mensch in seiner riesigen, inneren Not noch so denken/handeln wie Kommentarschreiber hier, dann wäre ihm der Freitod gar nicht möglich, da die Hemmschwelle greifen würde.

          Antworten

    • Hallo.

      Für alle Betroffenen eines Suizides ist das alles andere als einfach. Weder für die Hinterbliebenen noch für den Lokführer. Ich will diese grauenhafte Situation der Lokführer nicht kleinmalen, aber der Lokführer ist nicht der Fokus, um den es sich drehen sollte. Es gilt am Ursprung anzusetzen.

      Mit jedem Freitod dieser Art, der verhindert werden kann, muss auch ein Lokführer weniger darunter leiden. Dort Ist der Hebel: Transparenz und Hilfe für die, die von der Krankheit betroffen sind und zwar lange bevor sie daran denken sich das Leben zu nehmen.

      Antworten

      • Hallo Jochen,
        weisst Du eigentlich, dass mehr als 75% der Lokführer, die so etwas erlebt haben, ihren Beruf nicht mehr ausüben können? Selbst depressiv werden oder sogar in der Psychiatrie landen? Sich im schlimmsten Fall sogar selbst das Leben nehmen, weil sie mit dieser Gewissheit, einen Menschen getötet zu haben, nicht fertig werden? Also sage nicht: der Lokführer sei nicht im Fokus.

        Antworten

    • Wenn sie sich auch nur eine Sekunde mit dem Thema beschäftigt hätten, würden sie diese Fragen nicht stellen.

      Antworten

    • Guten Morgen, ich mache mir darüberhinaus Gedanken, denn mein Sohn ist Lokführer seit 10 Jahren. Zum Glück blieb er bis dato von so einer Situation verschont!!!

      Antworten

  35. Hallo Frau Enke!
    Ihre Stiftung ist aller Ehren Wert und wichtig, gerade in der heutigen Zeit, in der das „Leiden“ Depression noch immer stiefmütterlich behandelt wird, als ob es sich um Aussätzige handelt.
    Aber Herrn Westerwelle in diesem Zusammenhang zu nennen, ist meines Erachtens nach das falsche Signal. Dieser Mann versucht selbst aus einer schrecklichen Krankheit noch Kapital zu schlagen.
    Alles Gute und weiterhin Stärke wünscht Ihnen
    Jürgen Lutter

    Antworten

    • sehr geehrter herr lutter,
      ihr brief ist mir unverständlich, wie sie herrn westerwelle so etwas unterstellen können. mich hat sein auftreten in der jauch-sendung tief berührt, für mich war er glaubwürdig und authentisch, diese schwere erkrankung hat einen anderen menschen aus ihm gemacht. ich wünsche ihm vollständige genesung. und ich kann mir gut vorstellen, dass er sein buchhonorar seiner stiftung zur verfügung stellt.
      mit unfreundlichen grüssen
      ulrike isenberg

      Antworten

      • @Ulrike Isenberg
        Es mag sein, dass das Auftreten von Herr Westerwelle Ihnen imponierte, aber das ist Ihre persönliche Ansicht – genauso wie es umgekehrt die meine ist. Mir käme es jedoch nicht in den Sinn, über meine gegensätzliche Auffassung die Höflichkeit zu vernachlässigen.
        Aber diese Diskussion sollte auch nicht den Blog belasten…

        Freundliche Grüße – Jürgen Lutter

        Antworten

  36. Liebe Frau Enke!

    Ich habe gerade hier intensiv gelesen und vor 6 Jahren sehr mitgefühlt und getrauert.
    Gerade bin ich selber krank geschrieben, weil ich eben auch wieder mit meinen Depressionen zu kämpfen habe. Ich bewundere Sie, dass Sie alles daran setzen, dieses Thema wach zu halten. Es ist sicher so, wie es hier in vielen Statements rüber kommt, ein weiterhin schwieriges Thema, über das sich nur wenige trauen offen zu reden.
    Ich selber schaffe es nicht so offen zu sein, wie es nötig wäre. Viel lieber bin ich so stark und leistungsfähig, wie ich normalerweise rüber komme. Leider merken nur wenige bis niemand, dass das eine mühsame Fassade ist. So komme ich scheinbar auch immer öfter an solche Punkte, an denen es nicht weiter zu gehen scheint. Und trotzdem werde ich nächste Woche Montag sicher wieder arbeiten und lächelnd vor meiner Klasse stehen.
    Danke, für Sie und Ihre Arbeit und von Herzen Gott befohlen.

    Johannes

    Antworten

  37. Liebe Frau Enke,
    mit Ihrem Satz „Deshalb ist es wichtig, dass der Profifußball versteht, dass Depressionen unter Fußballern genauso vorkommen wie Kreuzbandrisse.“ treffen Sie den Nagel wirklich auf den Punkt. Und das, was Sie sagen gilt nicht nur für den Profifußball, sondern unsere ganze Gesellschaft.
    Mit einem offenen Bruch würde mir niemand sagen, ich möge mich zusammenreißen, sondern mich in ein Krankenhaus schicken.
    Ich selbst habe Depressionen und setze mich im Rahmen meines Projektes Karten gegen Depressionen dafür ein, dass die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft endlich aufhört. Besonders am Herzen liegt mir die Suizidprävention, da ich weiß, wie dunkel die Gedanken sind, die einen „auf der anderen Seite“ quälen. Aber auch weiß, dass der Schmerz weitergegeben wird an die, die zurückbleiben.

    Vielen Dank für Ihr Engagement und viel Kraft an diesem sicher nicht einfachen Tag.
    Herzlich
    Ihre Andrea Drexl

    Antworten

  38. Liebe Teresa,

    auch ich – wie anscheinend so viele hier – kämpfe wiederkehrend mit dem Dämon Depression. Ich stimme zu, es muss mehr über psychische Erkrankungen geredet werden. Zum einen, weil der Versuch der Tabuisierung das Problem für die Betroffenen zusätzlich vergrößert, zum anderen, weil viele Menschen nach wie vor nicht verstehen können, dass eine Depression eine therapiebedürftige Krankheit ist; wie eine Grippe auch.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie Kraft, weiter offen mit dem Thema umzugehen und den nötigen Erfolg, das Leben von so vielen Betroffenen wie möglich positiv zu beeinflussen. Es geht nicht nur ums Überleben, sondern um einen Weg zu leben, der als lebenswert empfunden wird.

    Gruß
    Heiner

    Antworten

  39. Hallo Frau Emke,
    Ich finde diese Stiftung gut,habe mir gerade alles durchgelesen.Mein Vater hatte Depressionen und begann Suizid als ich 13 war.Mein Bruder und ich haben es auch und sind in Therapie.Es gibt viele schlaflose Nächte,Tage wo ich nur im Bett liegen bleiben würde und wo ich nur losschreien könnte.Viele Tage sind wie graue Tage man möchte nur weinen was man wiederum versucht nicht zu zeigen.Um den Kopf frei zu bekommen mache ich Kampfsport sowie Leistungssport (Training deutsches Sportabzeichen,Feuerwehr Fitness Abzeichen).Ich habe dann öfters immer noch graue Stunden dann gehe ich laufen und lese Bücher.

    Antworten

  40. Sehr geehrte Frau Enke,

    danke für Ihr Engagement bei dieser grauenvollen Erkrankung! Ich selbst bin Arzt und leide derzeit an meiner 3. Episode. Leider verstehen die meisten Menschen nicht, was eine Depression ist, weil das Empfinden einer schweren Depression nichts ist, was ein gesunder Mensch erlebt. Das führt dazu, dass die meisten es mit Traurigkeit und Abgeschlagenheit verwechseln und dadurch die Betroffenen sich noch mehr verloren fühlen. Eine Depression ist eine irgendwie geartete Stoffwechsel-/Strukturerkrankung des Gehirns, die dazu führt, dass das Belohnungssystem quasi abgeschaltet wird. Selbst einfache Versuche, ein Wohlbefinden zu erzeugen – ein Gespräch mit seinen Freunden, ein warmes Bad, ein schöner Spaziergang, laufen ins Leere. Schlimmer noch, die Depression erzeugt einen Terror aus Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, durch den man sich immer weiter von sich selbst und seinen Lieben entfernt. Wie im Buch „Noonday Demon“ beschrieben, versuchte eine Frau, Suizid zu begehen – nicht weil sie sich hasste, sondern weil sie sich liebte/respektierte und sich diese unendliche Qual nicht weiter zumuten wollte.
    Deutschland sollte endlich mehr finanzielle Resourcen in die Erforschung dieser Erkrankung stecken, um uns bessere Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Die „normalen“ Antidepressiva sind für sehr sehr viele Erkrankte unwirksam und führen dazu noch zu erheblichen Nebenwirkungen. Darüber hinaus wirken sie nach einem inakzeptabel langen Zeitraum von 2-6 Wochen. Meine Hoffnung liegt in der weiteren Erforschung von Ketamin (rascher Wirkungseintritt nach 24 Stunden) und seinen Derivaten GLYX-13 (Rapastinel, Firma Allergan) und NRX-1074. Bitte helfen Sie uns dabei, die Erkrankung weiter zu thematisieren und die potenziellen Heilsbringern (Pharmaindustrie, Psychiater) anzuspornen!
    Stefan

    Antworten

    • Hallo Stefan,

      du sprichst mir hier auch aus dem Herzen. Ich habe schon sehr lange Depressionen, aber auch lange gebraucht, um diese als solche zu erkennen. Die Ärzte, bei denen ich war, nehmen/nahmen das nicht ernst. Man bekommt ein paar Pillen verschrieben und gut ist. Meinen sie. Bei mir hat nichts angeschlagen von den Antidepressiva. Auf eine Therapie muss man irre lange warten, hier bei mir zwischen 9 und 12 Monaten. Aber was macht man in der Zwischenzeit?
      Zum Glück bin ich andererseits ein gestärkter Mensch, den so schnell nichts umhaut. Ansonsten hätte ich mich auch schon längst umgebracht. Aber irgendwie liebe ich das Leben viel zu sehr, doch es ist nicht einfach, damit – alleine – klar zu kommen.
      Ich wünschte mir auch, dass diese Krankheit besser wahrgenommen und man ernst genommen wird!

      Antworten

  41. Liebe Theresa,
    auch nach 6 Jahren fühlt es sich an als wäre es erst gestern gewesen.
    Dieser Tag steckt voller trauriger Erinnerungen, doch das Lächeln, das uns Robert immer wieder aus Neue geschenkt hat und die schönen Erinnerungen überwiegen so viel mehr.
    Auch wenn ich damals erst 10 Jahre war, ist mir heute bewusst, welchen schwierigen Weg Robert gehen musste.
    Ich bewundere Sie sehr, wie sie mit dem Thema Depressionen umgehen und ich hoffe, dass auch im Profisport und in unserer Gesellschaft bald ein noch offener Umgang damit möglich ist. Ihre Arbeit mit der Stiftung ist einzigartig und hilft vielen Menschen. Danke dafür.
    Ihr Mann war nicht nur der Top-Torwart, sondern auch Vater, Ehemann, Vorbild und in erster Linie Mensch. Vielen ist das leider nicht bewusst, aber wir alle sind gleich, egal wie bekannt wir sind. Seine offene Art fande ich immer sehr beeindurckend. Robert fehlt und er hat eine so große Lücke hinterlassen, die nicht gefüllt werden kann. Er bleibt in unserem Herzen und ist unvergessen! Ich hoffe, dass es ihm gut geht, da wo er ist und das er seine kleine Lara wieder bei sich hat.
    Alles Gute für ihre Tochter und ihnen. Sie sind eine bewundernswerte Frau.

    Liebe Grüße,
    Katharina

    Antworten

  42. Liebe Teresa Enke,

    es imponiert mir wirklich, wie sie als eine der wenigen auf diese tragische Krankheit hinweisen. Und dabei auch immer die richtige Zeit und die richtigen Worte finden.
    Alles Gute für Ihre Familie
    Wolfgang

    Antworten

  43. Pingback: RT @Sternenrot: Ihr solltet Terese Enke`s Blogbeit… | Sparta's Welt

  44. Ja offen sprechen,gute Idee! Aber interessiert es einen? Ne leider nicht! Was ist mit den Redenschwinger von damals? Zwanziger Beckenbauer Braunschweig Anhänger und und und. Die Reden waren doch scheinheilig und wurden nach einer Stunde auch wieder vergessen!!! Ich spreche sehr offen darüber und werde,auch weiterhin,hinter dem Rücken ausgelacht. Aber ändern oder gar anerkannt werden? Schade leider eher nicht.

    Antworten

  45. Liebe Teresa,

    auch dieses Jahr würde ich Sie am liebsten in den Arm nehmen und Ihnen danken für all die wertvolle Arbeit, die Sie mit Ihrer Stiftung für alle Depressionserkrankten und deren Angehörige leisten.

    Ich bin immer noch davon überzeugt, dass das Thema Hochsensibilität – auch von vielen Fachexperten, wie z.B. Sportpsychologen – sehr unterschätzt wird bzw. viele über diese Charaktereigenschaft noch gar nicht Bescheid wissen.

    20% aller Menschen sind hochsensibel – ich vermute, Robert Enke war auch ein hochsensibler Mensch.

    Hochsensible Menschen nehmen Reize von außen (und innen) intensiver und tiefgründiger wahr als Normalsensible. Sie landen deshalb schneller in einer Art Überstimulation/Reizüberflutung, da sie pro Zeiteinheit viel mehr Informationen und Details wahrnehmen/verarbeiten müssen. Deshalb war Robert auch so ein guter Torwart, da er eine unglaubliche Reaktionszeit und Voraussicht hatte. Weiterhin sind Hochsensible sehr empathisch veranlagt und neigen auch zu mehr emotionalen Reaktionen, positiv als auch negativ. Sie können sich über die kleinste Kleinigkeit freuen, wenn sie von Herzen kommt – aber sie können sich auch in etwas hineinsteigern, wenn mal etwas nicht so läuft wie man es sich vorstellt. Das Abhaken vergangener Dinge fällt hochsensiblen Menschen schwerer. Weiterhin nehmen Hochsensible mehr über Ihre 5 Sinne wahr als die restlichen 80%, was Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Sehen angeht. Ich fühle mich z.B. schneller gestört durch irgendwelche leisen Geräusche oder auch Sirenen, bin sehr schreckhaft und erfreue mich auch an gutem Essen oder freue mich ganz tief drinnen, wenn ich schöne Musik höre oder ein schönes Bild betrachte.

    Der Vorteil, den hochsensible Menschen in sich tragen ist, dass sie grundsätzlich sehr kreativ veranlagt sind und – falls das Umfeld stimmt – zu sehr außergewöhnlichen Leistungen fähig sind.
    Der Nachteil ist, dass diese Menschen dazu neigen, sich mit Normalsensiblen zu vergleichen und feststellen, dass sie anders ticken. Dadurch geraten viele in Selbstzweifel. Und schlimmstenfalls geraten auch in BurnOut oder Depression.

    Teresa, meinen Sie es gäbe eine Möglichkeit, wenn Sie dieses Thema in einem Ihrer Psychologenkreise/Fachexperten ansprechen?

    Mittlerweile kommt das Thema auch in Fachkreisen an und es gibt schon recht viele Psychotherapeuten/Heilpraktiker, die sich mit dem Thema auskennen. Auch die Helmut-Schmidt Universität in Hamburg betreibt zum Thema Hochsensibilität Studien, Sandra Konrad schreibt Ihre Doktorarbeit dazu.

    Ich möchte nichts unversucht lassen – unter anderem deshalb mein Kommentar zu Ihrem Blog. Es wäre sehr wertvoll für viele Depressiven, wenn sie zumindest mal vom Thema der Hochsensibilität gehört hätten. Es würde vielen den Schritt zu mehr Selbstakzeptanz und Selbstliebe erleichtern.

    Ich lasse Ihnen noch den Link zum Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität e.V. da, vielleicht kann ihn ja jemand gebrauchen:
    http://www.hochsensibel.org/startseite/infotext.html

    Ihnen wünsche ich alles Gute, weiter so mit Ihrem herzlichen Engagement und bis bald,
    Julia

    Antworten

    • Hallo Julia,
      ich habe mir den Text über die Hochsensibilität durchgelesen und möchte mich bedanken das Sie den Link hier rein gestellt haben. Ich erkenne mich absolut wieder (mir laufen bei der kleinsten Kleinigkeit die Tränen, allen und jedem alles recht machem etc.), habe aber vorher nicht gewußt, dass es diese “’Krankheit“‘ gibt. Ich hoffe ich kann in Zukunft besser damit umgehn und werde mich intensiver damit beschäftigen.
      Ich grüße Sie ganz herzlich
      KERSTIN

      Antworten

      • Liebe Kerstin,

        wie sehr mich Ihre Antwort freut.

        Eines möchte ich allerdings noch gerade rücken – Hochsensibilität ist keine Krankheit, es ist ein Wesensmerkmal, eine Charaktereigenschaft.
        Genau so wie ein Mensch eine bestimmte Haarfarbe hat oder Intro-/Extrovertiert ist, kann er genausogut hochsensibel oder normalsensibel sein.

        Die Bewertung von Eigenschaften durch das Umfeld z. B. geben dieser einen positiven oder negativen Touch. Hochsensibilität ist erstmal eine neutrale Eigenschaft.

        Die positiven Seiten von Hochsensibilität kommen z.B. in einer Leistungsgesellschaft oft nicht zum tragen, da es in dieser kein Gehör findet und viele Hochsensible versuchen, sich ihrem Umfeld anzupassen und ihre Bedürfnisse beiseite zu schieben.

        Ihnen wünsche ich alles Gute!

        Falls Sie mehr Infos zum Thema Hochsensibilität benötigen, empfehle ich Ihnen die folgende Linkliste – hier habe ich bereits sehr viele Infos zusammengetragen. So ersparen Sie sich die Sucharbeit im Netz:

        https://hochsensibel1753.wordpress.com/links/

        Freundliche Grüße,
        Julia

        Antworten

  46. RIP

    Ich höre jeden Tag Teile seines Hörbuches, man fühlt sich als psychisch kranker Mensch einfach verstandener.

    Es war ein toller Kerl!

    Antworten

  47. Vielen Dank für diesen Text. Anfang diesen Jahres habe ich wegen meiner Depression einen Suizidversuch unternommen, den ich nur durch Zufälle überlebte. Seitdem versuche ich das Thema Depression so oft als möglich in die Öffentlichkeit zu tragen. Aktuell twittere ich unter #ausderklapse um betroffenen die Angst zu nehmen, sich professionell behandeln zu lassen. Wir müssen die Stigmatisierung psychischer Krankheiten unbedingt beenden. Denn ohne das Stigma wäre mein Versuch wohl nie passiert.
    Uwe

    Antworten

  48. Liebe Teresa,
    ich bin selbst seit 18 Betroffene von Depressionen und leide darunter und freue mich einfach nur darüber, dass es immer mehr Organisationen gibt, die auf dem Vormarsch sind – offen darüber aufzuklären. Leider sind mir als „als kleines Licht“, wenn ich mich mal so ausdrücken darf die Hände gebunden. Deshalb bin ich glücklich, dass Sie so offen reden, obwohl Sie selbst als Person nicht daran leiden und trotzdem die Lage erkannt haben. Mein Motto: Nur die Gemeinschaft macht stark! Bitte machen Sie weiter so!!!

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  49. Liebe Teresa,
    durch den Tod von Robert, Ihre berührenden Worte auf der Pressekonferenz am folgenden Tag und insbesondere durch die am TV verfolgte herzzerreißende Trauerfeier im Stadion, wurde mir vor 6 Jahren bewusst, dass ich mir professionelle Hilfe suchen muss. Dennoch dauerte es Monate, bis ich in ambulante Therapie ging und weitere 2 Jahre, bis ich, vor dem Suizid stehend, in stationäre Behandlung für 3 Monate ging. All die Zeit wusste außer meinem Mann und sehr wenigen guten Freunden niemand, wie es mir ging. Diese Fassade im Büro, im Bekanntenkreis, in der Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten, kostete so unglaublich viel Kraft. Im Anschluss an die Klinik dauerte es weitere 4 Monate, bis ich wieder „im Leben“ war, wieder ins Büro konnte. Nun wusste natürlich jeder Bescheid über meine Krankheit – und längst nicht alle hatten Verständnis. Ich wurde beruflich „degradiert“, musste die Abteilung, der ich 16 Jahre angehörte, verlassen. Selbst im engsten Familienkreis fehlte das Verständnis, wenn ich zeitweise wieder gegen diesen „Nebel“, diese „Dunkelheit“ in meiner Seele anzukämpfen hatte. Ich solle doch einfach „ein paar Pillen mehr“ einwerfen, dann ginge es schon wieder, bekam ich zu hören. Das sind die Momente, für die ich in der Therapie lernen konnte, damit umzugehen. Alleine hätte ich es nie geschafft. Durch viel Glück hatte ich damals unglaublich schnell die ambulante Therapie, auf die andere monatelang warten müssen und vor allem auch innerhalb weniger Tage (und dank einer unglaublich engagierten Hausärztin) einen stationären Therapieplatz in der Klinik.
    Heute, 2 1/2 Jahre später, muss ich zeitweise immer wieder mal gegen die Dunkelheit und den Nebel ankämpfen. Dank gelernter Möglichkeiten und auch dank Medikamenten gelingt mir dies. Ich möchte nie, nie wieder seelisch da hin kommen, wo ich war.
    Danke, liebe Teresa, für Ihren Einsatz auf diesem Gebiet und genauso Dank an alle, die Sie dabei unterstützen, bzw. auf diesem Gebiet tätig sind.
    Alles, alles Gute für Sie und Ihre Tochter,
    Katrin

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  50. Liebe Teresa,
    ich finde kaum die richtigen Worte und egal wie oft ich anfange diesen beitrag zu schreiben, die Worte werden nicht dem gerecht, was ich Ihnen gerne sagen würde. Es tut mir unendlich leid. Ich habe seit dem Tod meiner kleinen Tochter im letzten Jahr, so viel von Ihnen, Lara und Robert gelesen. Meine Tochter heißt Leonie und sie wurde nur 4,5 Monate alt. Auch sie starb an einem Herzfehler. Ein Herzfehler, der reparabel gewesen wäre, wenn man ihn frühzeitig entdeckt hätte. Aber der dafür notwendige Herzultraschall wird in Deutschland kaum angeboten. Zu teuer (75€ je Baby). Ich hätte ihn auch selbst gezahlt…. Leonies großer Bruder geriet danach in eine sehr starke Phase von Depressionen. Kurz vor den Abiturprüfungen begann er dann eine stationäre Therapie. Verständnis seitens der Lehrer gab es nur selten. Am Tag, als Leonie starb, erhielt er von einem seiner Lehrer die Nachricht per sms, dass er ja nun doch heute zur …klausur kommen könne, denn er kann ja nun seiner Schwester auch nicht mehr helfen… Diese Situation hielt er immerhin fast ein Jahr aus. Bis es zu viel wurde. Wenn dann Anrufe des Psychiaters, bei dem er in ambulanter Therapie war, kommen, dass man sich große Sorgen um ihn mache, dann kann ich nicht beschreiben, wie sich das anfühlt, es ist zu schwer. Zum Glück konnte er dann binnen weniger Wochen eine stationäre Therapie beginnen. Allerdings ist er auch Privatpatient, sonst wäre dies alles so schnell und mit dieser Art der Therapie nicht möglich gewesen. Mein Mann leidet ebenfalls seit dem Tod seiner Tochter unter schweren Depressionen. Bis heute ist keine Therapie in Aussicht, selbst Termine beim Psychiater gibt es erst in 9-10 Monaten. Ob er so lange durchhält kann ich nicht sagen. Ich hoffe es.
    Eigentlich wollte ich gerne sagen, dass ich ein wenig nachfühlen kann, wieviel Kraft es braucht, um nicht mit unter zu gehen. Sie sind eine sehr starke Frau. Ich danke Ihnen, denn Sie sind mein Vorbild für all das, was ich nach Leonies Tod in Leonies Namen zur Aufklärung über angeborene Herzfehler und das fehlende Screening ins Rollen gebracht habe. Dass wir sogar bereits einige Babys rechtzeitig retten konnten, gibt mir ein wenig Lebensmut zurück.
    Herzliche Grüße Kathi

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  51. Liebe Theresa,

    Robert wird für immer in ihrem aber auch in meinem Herzen bleiben.
    Ich muss stets an Robert denken da ich durch seinen Tod erst eingesehen habe das auch ich unter Depressionen leide. Und erst durch den Weg den Robert gewählt hat bin ich aufgewacht und habe mich in Behandlung begeben.
    Für mich ist es noch ein sehr langer und schwerer Weg bis ich wieder ein normales Leben führen kann.

    Ich danke Ihnen für Ihre Worte denn leider, und auch das macht den Weg so schwer, werden an Depressionen erkrankte immer noch in eine Ecke geschoben und damit ins Abseits gestellt wo man wie ein Aussetziger behandelt wird.
    Ich wünsche mir das durch ihre Stiftung die Gesellschaft aber auch die Krankenkassen weiter wachgerüttelt werden. Denn es ist auch heute noch sehr schwer einen Psychotherapeuten zu finden und einen Termin zu bekommen.

    Liebe Theresa, ich bin heute ganz nah bei ihnen und ihrer Familie.

    Ich wünsche ihnen alles erdenklich Gute

    Swen W.

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  52. Liebe Teresa, als freie Psychotherapeutin engagiere ich mich für einen Weg aus dem Stigma, welches Menschen mit psychischen Erkrankungen haben. jedoch begegne ich immer wieder bei Vorträgen oder Gesprächen mit Angehörigen Unverständnis, Ängste und Tabus. hier hilft nur Offenheit und Aufklärung, wie es in den letzten 30 Jahren auch bei Krebs gab und gibt. Nur wenn Depressionen verständlich kommuniziert werden und aus der „unheimlichen“ Ecke gezogen werden, kann es eine Änderung geben. Ihre Stiftung ist ein toller Beitrag.
    Alles
    Gute
    hildegard

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  53. liebe Teresa, auch ich denke in diesen Stunden ganz fest an.ihn und seine Familie. Gerade auch deshalb, weil ich genau 1 Woche später einen guten Freund,, der sich erhängt hat, verloren habe. Meine Frau mit der ich schon über 45 Jahre zusammen bin ist ebenfalls seit 1985, Geburt unserer Tochter, hiervon betroffen. Durch diese Krankheit haben.sich.selbst Duke sogenannten besten Freunde von uns abgewandt so dass wir ziemlich alleine sind. Meine Frau eines der günstigsten Menschen, hier hätte man es nicht vermutet, ist seitdem hiervon betroffen und nicht heraus zu holen. Auch ihren Beruf kann sie nicht mehr ausüben und bekommt nicht einmal Rente, weil sie nicht in DIW Rentenkasse gezahlt hat uns erst 61 Jahre ist. Deshalb sage ich für alle Betroffenen Danke für ihren Einsatz. Es ist verdammt wichtig, dass die Menschen erfahren, das es jeden treffen kann und noch viel gegen werden muss. Weiter so……
    LG Werner

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  54. Liebe Teresa,

    der Todestag ihres Mannes ist zugleich mein Geburtstag, deshalb muss ich gerade an diesem Tag auch immer ganz besonders an ihn denken.

    Als ebenfalls Betroffene möchte ich Ihnen meinen tiefsten Respekt aussprechen, dass sie immer wieder den Mut finden den Kampf gegen diese furchtbare Krankheit weiterzuführen. Ihr Kampfgeist und ihre Offenheit sind überwältigend.

    Ich wünsche ihnen alles Glück der Welt und viel Kraft in diesen sicherlich schweren Tagen,
    herzliche Grüße,
    Sylvie

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  55. Liebe Teresa,

    es ist gut, dass Sie immer wieder auf das Thema aufmerksam machen. Zu viel wird noch geschwiegen. In meiner Familie ist das Thema Tabu. Nur wenige Menschen wissen, dass sich mein Mann vor sechs Jahren, einen Tag nach der Beerdigung von Robert Enke, das Leben nahm.
    Darüber zu schweigen, ist das Schwerste. Dennoch habe ich zuviel Angst auf Unverständnis, weil
    mein Mann im Gegensatz zu ihrem, unbedingtes Schweigen über seine Krankheit gelegt hat.
    Ausser mir wußten nur sein Arzt und sein Therapeut davon. Eine schlimme Zeit.

    Sie sind eine mutige, starke Frau. Uns eint ein Schicksal, eine Krankheit…

    Alles Gute für Sie und Ihre Tochter.

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  56. Liebe Teresa,

    ich kann mich noch genau an den Tag erinnern als ich vom St. Martins-Umzug mit unserer Tochter kommend, vom Tod Robert’s erfahren habe. Ich saß total geschockt vor’m PC und bekam eiskalt und diese Kälte spürte ich noch ganz lange. Obwohl ich Robert nur aus dem Fernsehen kannte, hatte ich ihn schon länger als besonderen Menschen wahrgenommen: sehr freundlich zu den Fans, bodenständig, kämpferisch aber auch in sich gekehrt und sensibel. Und als Torwart extrem reaktionsschnell, was er in seinem letzten Spiel gegen den HSV noch einmal gezeigt hat. Damals habe ich mich noch gewundert, weil er nach dem Spiel so angespannt aussah, heute auch nachdem ich das Buch von Ronald Reng gelesen habe, weiß ich warum und kann gut nachvollziehen, wie hilflos ihr euch gefühlt haben müsst.
    Um so mehr bewundere ich deine Kraft, das alles so viele Jahre durchzustehen und auch nach Robert’s Tod weiter zu kämpfen und es Anderen leichter zu machen. Du bist eine tolle, sehr starke und mutige Frau…die beste, die Robert an seiner Seite haben konnte und er wird von oben sehr stolz auf dich sein ! Ich umarme und drücke dich in Gedanken, liebe Teresa….ich hoffe, daß DU ist okay aber ich finde es eher komisch, jüngere oder gleichaltrige Menschen zu siezen.

    Liebe Grüße
    Heike

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  57. Hallo liebe Teresa,

    ich finde es so toll und bewundernswert, das Sie das Thema Depressionen immer wieder aufgreifen. Und uns immer wieder erinnern, was für ein toller Mensch Robert war. Wir werden ihn nie vergessen. Am heutigen Tag denken wir jedes Jahr an Sie und an die Familie von Robert.

    Alles erdenkliche gute für Sie und der Familie von Robert

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  58. Liebe Teresa,

    Gedanklich bin ich bei Ihnen, gerade heute. Ich selber leide an schweren Depressionen und nehme Sie immer als Vorbild, wenn mir mal wieder negative Gedanken kommen und sage mir, dass ich nicht möchte, dass jemand so leiden muss Wie Sie. Sie haben recht über Depressionen muss mehr geredet werden. Ich hatte Glück und habe sehr schnell eine Therapie beginnen können, die ich seit zwei Jahren durchgehend führe.

    Aber dennoch wird man belächelt. Ich versuche offen darüber zu reden … nur leider wird es immer noch häufig abgewunken.

    Ich finde Ihr Engagement und ihre Stiftung großartig. Machen Sie weiter so.
    Liebe grüße
    Daniela

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  59. Liebe Teresa,

    meine Gedanken sind – ganz besonders am heutigen Tage -so fest bei Ihnen!

    Von Herzen danke ich Ihnen für Ihre sensiblen und berührenden Worte, die für mich – selbst seit Jahrzehnten unter einer medikamentös und ärztlich sowie psychologisch behandelten Depression leidend, die mich seit einigen Tagen mit all ihrer schrecklichen Macht quält und keine Hoffnung mehr sehen lässt -, gerade ein Trost und ein kleiner Sonnenstrahl sind.

    Danke schön von Herzen für Ihr unermüdliches Engagement im Kampf gegen diese furchtbare Erkrankung!

    Alles erdenklich Liebe und Gute für Sie

    Anke

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